Eine funktionsfähige Toilette zuhause – für rund 3,5 Milliarden Menschen gibt es das nicht. In Deutschland ist sie hingegen selbstverständlich, ebenso wie die kaum sichtbare Aufbereitung der dort anfallenden Abwässer. Die Reinigung wird immer aufwändiger. Gründe liefert auch der manchmal gedankenlose Mensch.
Sauberes Trinkwasser, eine Dusche und ein Wasser-Closett (WC): Das ist in Europa Wohn-Standard. Weil es so selbstverständlich ist, fällt der Aufwand, der dafür betrieben wird, kaum auf. Trinkwasser wird streng kontrolliert und die Abwässer werden über mehrere Stufen gereinigt, bevor sie wieder in den natürlichen Kreislauf fließen. Der Aufwand für die Reinigung steigt allerdings kontinuierlich. Zwei Gründe: Immer wieder wird über Spüle und Toilette etwas „entsorgt“, was nicht in die Abwasserkanäle gehört. Noch übler ist es, wenn etwas Falsches in die Gosse kommt, denn von hier fließt das Wasser ohne den Weg über die Kläranlage direkt in Bäche, Kanäle oder Flüsse. Schadstoffe, die so in die Umwelt gelangen, bleiben dann ungefiltert im Kreislauf.
Die meisten Menschen wissen, dass Feuchttücher, Kondome, Medikamentenreste, Binden oder Speisereste nicht über das Klo entsorgt werden dürfen. Mit der weitsichtigen Wahl von Putz- und Reinigungsmitteln kann man noch mehr tun. „Umweltfreundliche Reiniger mit biologisch abbaubaren Substanzen stellen die Kläranlage vor keine großen Probleme. Aggressive Putzmittel mit chemisch komplexen Bestandteilen lassen sich wesentlich schwieriger aus dem Abwasser entfernen“, erklärt Judith Kraft, als Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS) Expertin für Abwasser. In den meisten Fällen erreichen die leicht abbaubaren Reiniger dieselbe Putzleistung – und mit der Bio-Wahl lässt sich das Wasser – also auch die Umwelt – besser schützen.
Noch wichtiger wird es, wenn Schmutzwasser draußen weggeschüttet wird. Wer einen Putzeimer einfach in den Rinnstein entleert, kippt damit auch die Reiniger direkt in das Wasser. „Reifenabrieb und andere Schadstoffe belasten die Gewässer schon genug. Die Gullys sind keine Mülleimer, auch wenn manche sie so benutzen“, sagt Kraft. Hier liefert die saubere Schweiz ein vorbildliches Beispiel: Mit kleinen Schildern weist die Stadt Zürich darauf hin, dass ein Gully ausschließlich für Regen gedacht ist. So wünscht sich Kraft mehr Bewusstsein für den Luxus des fließenden Wassers und der Entwässerung von Bad, Küche und Klo auf der einen und von Straßen und Wegen auf der anderen Seite. „Mit dem Welt-Toilettentag gibt es zumindest einmal im Jahr die Gelegenheit, zu sehen, welchen Wert dies darstellt“, resümiert Kraft. Eine sanitäre Grundversorgung ist schließlich jedem Menschen zu wünschen.
Putzeimer sollten nicht in die Gosse gekippt werden. In Zürich tragen die Gullys kleine Embleme, die die Menschen stets daran erinnern. Bild: Kraft / Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS)

