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Berufswahl nach der Schule: Erschwerte Suche in Corona-Zeiten

Im Sommer beginnt das neue Ausbildungsjahr – und somit für viele Schulabgänger die Suche nach dem richtigen Job.

Vivien Hasche und Dominik von Zweydorff haben ihre Entscheidung nicht bereut. Sie sind auf dem Weg zur „Fachkraft für Rohr- Kanal- und Industrieservice“. Bild: SE|BS

Kontaktbeschränkungen, Schule von zuhause, an Berufsmessen oder ähnliches ist nicht zu denken. Der Zukunftstag (22. April), an dem Schüler potentielle Ausbildungsbetriebe besuchen konnten, entfällt 2021 erneut. Für die Abschlussklassen ist die Berufswahl so besonders schwierig. Umgekehrt tauchen weniger bekannte Lehren kaum im Bewusstsein auf. Dazu zählen sogar systemrelevante Tätigkeiten. Beispiel gefällig? „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“.

Im Sommer beginnt das neue Ausbildungsjahr – und somit für viele Schulabgänger die Suche nach dem richtigen Job. Auch für diejenigen, die lieber richtig mit anpacken wollen, gibt es ein breites Angebot, wie die (bau)handwerklichen Berufe. Hinzu kommen etliche weitere weniger bekannte, die genauso den Wunsch nach Abwechslung und aktiver Tätigkeit erfüllen – sogar sogenannten „systemrelevante“. Exemplarisch stellen wir hier die „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ vor, eine dreijährige Lehre, die zum Beispiel die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS) bietet.

Nix für Stubenhocker: Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir es für selbstverständlich halten: ein störungsfrei funktionierendes Abwassersystem. Das läuft aber nicht von selbst so perfekt, sondern nur, weil sich Spezialisten darum kümmern – eben die Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Die stehen auch schon mal sieben Meter unter der Erde mit Kamera, Hochdruck-Schlauch und -Reiniger – denn das zählt zu ihren Aufgaben, um unsere Abwasser-Kanäle sauber zu halten.

Eine Besonderheit: Für die Theorie geht es zur Berufsschule nach Gelsenkirchen. Drei- oder viermal im Jahr stehen vierwöchige Unterrichtsblöcke an. „Wir können uns so perfekt auf den Unterricht konzentrieren. Bei den Kosten für Fahrt und Unterkunft werden wir vom Betrieb unterstützt“, sagt Dominik von Zweydorff (19), der als erster diesen neuen Beruf ergriffen hat und im Sommer von der SE|BS übernommen wird. Sein Weg zur SE|BS begann auf einer Berufsmesse. „Nach meinem Abschluss an der OBS Papenteich in Groß Schwülper habe ich mich informiert und dann direkt beworben“.

Mittlerweile ist auch Vivien Hasche (19) an Bord. Was die junge Technikerin besonders schätzt: Ab Tag eins wird in Gruppen zusammen gearbeitet. Die Teams kümmern sich um unser Abwasser und erledigen dafür viele Aufgaben: Prüfen, ob die Kanäle noch dicht sind, Inspektion mit der Kamera, Entsorgung der Inhalte von Abscheidern – und Kundenberatung. Die Aufträge kommen aus dem Raum Braunschweig, aus Gifhorn, Peine und weiteren Orten im Radius von 40 Kilometer. Vivien Hasche findet das gut: „Neben dem theoretischen und praktischen Wissen eignen wir uns ganz nebenbei auch Ortskunde an“.

1.400 Kilometer Netz, 150 bar Druck, 200 Meter Schlauch

Meistens sind die Teams zu zweit unterwegs. Zur Reinigung von Kanälen setzen sie einen 200 Meter langen Hochdruck-Schlauch ein. Mit einer selbstfahrenden Maschine wird er durch den Kanal geführt und spült diesen über spezielle Düsen mit bis zu 150 bar. „Bei 1.400 Kilometern Kanalnetz ist immer etwas zu tun“, sagt Thomas Lampe, Leiter des Kanalnetzservice der SE|BS. Mit dem Saugwagen entleeren sie Abscheider von Gaststätten, Kantinen, Kfz-Werkstätten etc. Der Behälter wird anschließend gereinigt, der Inhalt zum Klärwerk nach Watenbüttel oder zu einer Behandlungsanlage in Ölper transportiert. Zum Beruf gehört auch handwerkliches Geschick, beispielsweise bei der Instandsetzung von Fahrzeugen und Bauwerken. „Da muss man schon mal flexibel sein“, meint von Zweydorff – und Hasche ergänzt: „Zum Glück wird im Team auf unsere Wünsche und Stärken Rücksicht genommen, sodass wir viel Abwechslung haben.“

Für die Bewerbung ist ein Haupt- oder Realschulabschluss wichtig sowie eine offene und ehrliche Art. Mit der Übernahmegarantie für 18 Monate ist auch die Zeit nach der Ausbildung gesichert. Thomas Lampe erklärt: „Unser Ziel ist es immer, dass die, die wir ausbilden, auch bei uns bleiben.“

 

Ausbildungsberufe der SE|BS

• Industriemechaniker/in

• Elektroniker/in für Betriebstechnik

• Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

• Fachkraft für Abwassertechnik

Für Studieninteressierte eignet sich ein Duales Studium. Hier gibt es mehrere Studiengänge, angeboten von BS|Netz oder SE|BS. Als Partner sind hier die Berufsakademie Sachsen, die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft beziehungsweise die TU Braunschweig eingebunden.

• Bauingenieurwesen – Tiefbau

• Betriebswirtschaftslehre (BWL)

• Wirtschaftsinformatik

• Wirtschaftsingenieurwesen Elektro- und Informationstechnik

• Bachelor of Engineering, Energie- und Gebäudetechnik

Auf Bewerbungen (Optimal: online über die Website) freut sich
Pia Henningsen 
0531 / 383 – 2479 | pia.henningsen@bs-netz.de