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Ausgezeichnete Biodiversität

Braunschweiger Rieselfelder: Einzigartiges künstliches Biotop schützt und reinigt unser Wasser

Trafen sich zur Übergabe der Datenerfassung an den Braunschweiger Rieselfeldern (v. l.) Sylke Freudenthal (Veolia), Dr. Bernd Hoppe-Dominik (Biologe), Dr. Franziska Gromadecki (Geschäftsführerin Abwasserverband), Jörg Walther (Leiter Rieselbetrieb Steinhof). Christoph Siemers (Bereichsleiter Betrieb SE|BS) und Prof. Andreas Hartmann (Geschäftsführer SE|BS).

Wat- und Wasservögel, Insekten und Amphibien – für sie sind die Braunschweiger Rieselfelder ein Paradies. Das Gebiet hinter Watenbüttel am Klärwerk Steinhof ist ein Paradebeispiel für nachhaltige Entwicklung: Das im Klärwerk bereits gereinigte Abwasser wird über eine Fläche von 275 Hektar (rund 400 Fußballplätze) verteilt naturräumlich nachbehandelt, bevor es in die Oker geleitet wird. Zugleich entsteht hier Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Ein Glücksfall also: Die Rieselfelder sind Betriebsgelände und Bestandteil der Abwasserreinigung, also kein Naturschutzgebiet - und doch ein klarer Gewinn für die Umwelt. Jetzt haben Veolia, die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS) und der Abwasserverband Braunschweig (AVB) das Gebiet für eine eingehende Analyse der dortigen Biodiversität ausgewählt und lassen einen „biodiversity footprint“ erstellen. Als Grundlage für den „Fußabdruck“ übernahm der Biologe und Naturschutzbeauftragte der Stadt Braunschweig Dr. Bernd Hoppe-Dominik als neutraler Fachmann die Datensammlung. Zur Übergabe seiner Analysedaten trafen sich jetzt die Verantwortlichen vor Ort: Dr. Franziska Gromadecki (Geschäftsführerin AVB), Prof. Andreas Hartmann (Geschäftsführer SE|BS), Sylke Freudenthal (Veolia), Dr. Bernd Hoppe-Dominik (Biologe), Christoph Siemers (Bereichsleiter Betrieb SE|BS) und Jörg Walther (Leiter Rieselbetrieb Steinhof).

2019 erneuerte Veolia in seinem Unternehmenszweck die Selbstverpflichtung zu Schutz und Bewahrung der Biodiversität. Zusätzlich zur regelmäßigen Erfassung relevanter Standortdaten wurde eine Analysemethodik entwickelt, mit der sich der Grad der Biodiversität erfassen lässt und weiter ein konkreter Aktionsplan zum Schutz von Lebensräumen und Arten entstehen kann. Dieses Verfahren kam nun in den Braunschweiger Rieselfeldern als einem der ersten Veolia-Standorte weltweit zum Einsatz.

Die Daten für die Ist-Analyse trug der Biologe Dr. Bernd Hoppe-Dominik zusammen. „Ich kenne das Gelände schon lange als besonderen Standort in Braunschweig. Die Analyse bestätigt, dass hier bereits ein hoher Grad an Biodiversität erreicht ist – und sie gibt auch Hinweise, wie sie sich weiter steigern lässt“, erklärt der Fachmann. Der enge Austausch zwischen Betreibern und Naturschützern sei hier schon in der Vergangenheit sehr erfolgreich umgesetzt. Jörg Walther, Leiter des Rieselbetriebes, freut sich über das Ergebnis und die Ratschläge: „Die Besonderheit ist hier, dass eine eigentlich künstliche Anlage als sogenanntes Sekundärbiotop zugleich einen so hohen Beitrag für Umwelt und Natur leistet.“

„Veolia als Unternehmen, das für die Wasserversorgung zuständig ist, steht in besonderer Verantwortung für die Umwelt“, erklärt Sylke Freudenthal, „für den Erhalt und den Ausbau von Biodiversität haben wir daher Leitfäden entwickelt, die konzernweit als Orientierungsrahmen dienen“. SE|BS-Chef Prof. Andreas Hartmann ergänzt: „Wir freuen uns über das Lob und gute Ergebnis. Zugleich setzen wir die Verbesserungsvorschläge auf unsere Agenda und planen gemeinsam mit dem Abwasserverband Braunschweig, was wann wie umgesetzt wird“. Bereits jetzt hat Dr. Hoppe-Dominik Punkte identifiziert, die sich noch verbessern lassen. „Werden die Randstreifen weniger gemäht, profitieren Insekten und Kleinlebewesen. Weniger Licht in der Nacht würde sich sofort positiv auf die Fauna auswirken“. Die technische Grundfunktion der Rieselfelder wird erhalten bleiben: Umweltfreundliche Wasseraufbereitung durch die Natur. „Die Rieselfelder zeigen, dass ein Leben mit der Natur möglich ist und für alle Vorteile bringt: Eine solche Wasserqualität zu erreichen, wie sie hier durch die Verrieselung entsteht, wäre technisch sehr aufwändig – und würde der Pflanz- und Tierwelt nicht diese Heimat bieten“, resümiert Abwasserverbands-Chefin Dr. Franziska Gromadecki.

Nach der Bewertung durch den Biologen wird es mit der Auswahl zusätzlicher geeigneter Schutzmaßnahmen weitergehen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Rieselfelder und die Kläranlage Betriebsgelände der Abwasserreinigung sind. Diese Funktion ist die wesentliche Voraussetzung für die Artenvielfalt im Gebiet. Spätestens 2023 werden die Erfolge der weiteren Maßnahmen erneut bewertet und vorgestellt. Dabei geht es nicht nur um Biodiversität, sondern auch darum, wie die Rieselfelder in ihrer technischen Funktion entwickelt werden: Neue Anforderungen der EU zur Wasserwiederverwendung bzw. die Oberflächenwasserverordnung sind bindend und müssen auf dem Gelände erfüllt werden. Auch das dient einem eminent wichtigen Ziel: Hohe Wasserqualität. Die Empfehlungen, um die Biodiversität zu fördern, sind mit diesen Vorgaben abzustimmen.